#59 Ich will ja … aber ich kann nicht

Shownotes

„Ich will ja … aber ich kann nicht.“ Kaum ein Satz macht Menschen so verzweifelt wie dieser. Vielleicht kennst du das Gefühl, etwas längst verändern zu wollen – und trotzdem innerlich wie festzustecken. In dieser Folge schauen wir auf ein neurobiologisches Prinzip, das unter vielen unserer inneren Schutzstrategien liegt. Du erfährst, warum dein Nervensystem oft am Bekannten festhält, obwohl es dir längst nicht mehr guttut, warum Druck selten zu echter Veränderung führt und weshalb neue Erfahrungen so viel kraftvoller sind als neue Vorsätze. Außerdem lade ich dich zu einer kleinen Übung ein, die deinem Nervensystem einen ersten Moment von Beweglichkeit schenken kann. Eine Folge für alle, die sich schon oft gefragt haben: „Warum schaffe ich es einfach nicht?“

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Transkript anzeigen

00:00:00: Ich will ja, aber ich kann nicht.

00:00:03: Ich glaube kaum einen Satz lässt einen mehr verzweifeln wie dieser.

00:00:09: Grund genug mal aus neurozentrierter Sicht genauer hin zu sehen.

00:00:16: Herzlich willkommen zur Neuro-Liebe!

00:00:18: Schön dass du da bist.

00:00:23: Es ist Zeit für mehr,

00:00:24: mehr Leben, mehr Du, mehr Freiheit.

00:00:27: Neuroliebe ist dein Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben im Einklang mit deinem Nervensystem.

00:00:33: Verstehen, fühlen, handeln.

00:00:36: Ich will ja aber ich kann nicht!

00:00:39: Ich höre diesen Satz unglaublich oft.

00:00:42: Menschen sitzen mir gegenüber und sagen Julika ich weiß doch eigentlich was mehr gut tun würde?

00:00:48: Ich weiß dass sich etwas verändern muss, ich weiß das so nicht weitergehen kann Und dann kommt immer wieder dieser eine Satz Aber ich kann einfach nicht.

00:01:01: Und weißt du was?

00:01:02: Ich glaube ihnen, ich glaube ihnen jedes einzelne Wort!

00:01:15: Ich glaube, da passiert etwas ganz anderes.

00:01:36: Und vielleicht kennst du dieses Gefühl selbst?

00:01:39: Du möchtest dich bewegen aber irgendwas in dir bleibt stehen!

00:01:46: Es ist als würdest du innerlich feststecken nicht weil dich jemand festhält sondern weil Bewegung sich einfach nicht richtig anfühlt.

00:01:57: von außen betrachtet sieht das oft aber anders aus.

00:02:01: Du gehst vielleicht ganz normal arbeiten, kümmerst dich.

00:02:04: Du funktionierst und vielleicht sagen andere sogar eigentlich geht's dir doch ganz gut!

00:02:12: Du hast doch alles.

00:02:15: und trotzdem kennst du vielleicht diesen Satz Ich will ja aber ich kann nicht In den letzten Wochen haben wir hier im NeuroLiebe Podcast fünf verschiedene Strategien kennengelernt mit denen unser Nervensystem versucht, Sicherheit herzustellen.

00:02:35: Mal durch Kontrolle mal durch Leistung mal durch Anpassungen mal durch Kampf oder indem wir im Nebel verschwinden.

00:02:46: vielleicht hast du dich in einer dieser Dynamiken wiedergefunden?

00:02:50: Vielleicht sogar in mehreren und vielleicht hast Du dadurch manches über Dich verstanden.

00:02:57: aber vielleicht ist gleichzeitig noch eine andere Frage entstanden.

00:03:04: Warum verändert sich trotzdem so wenig?

00:03:09: Warum erkenne ich mich wieder in all diesen Nervensystem-Dynamiken, in diesem Überlebensstrategien und bleibe trotzdem stehen?

00:03:21: Genau darüber möchte ich heute mit dir sprechen!

00:03:26: Nicht über eine weitere Strategie sondern über das was unter all diesen Strategien liegt.

00:03:35: Mir ist in den letzten Jahren nämlich etwas aufgefallen.

00:03:53: Je größer der Druck wird, etwas verändern zu müssen, desto unbeweglicher werden viele Menschen.

00:04:04: Man würde meinen eigentlich müsste doch das Gegenteil passieren.

00:04:09: Eigentlich müsste ein hoher Leidensdruck doch dafür sorgen, dass wir endlich losgehen.

00:04:16: Aber oft passiert genau das Gegenteil – Wir bleiben stehen!

00:04:24: Nicht freiwillig sondern weil sich Bewegung plötzlich unsicherer anfühlt als Stillstand und ich glaube genau das ist der Satz den wir verstehen müssen.

00:04:39: Bewegung fühlt sich unsicherere an als stillstand.

00:04:45: Lass ihn mal wirken, denn ich glaube darin steckt die Antwort auf den Satz.

00:04:55: Ich will ja aber ich kann nicht!

00:05:02: Wenn wir von außen auf einen Menschen schauen der in diesem Zustand steckt, wirkt das manchmal wie Bequemlichkeit oder fehlender Mut.

00:05:19: Ich glaube aber, dass all das den Kern überhaupt nicht trifft.

00:05:25: Denn wer wirklich in diesem Zustand ist möchte Veränderung vielleicht sogar mehr als alle anderen und genau deshalb is dieser Zustand so schmerzhaft.

00:05:39: Du schaust auf dein Leben und denkst du möcht ich das eigentlich nicht Und gleichzeitig fühlt sich genau dieses Leben immer noch sicherer an als der erste Schritt in etwas Neues.

00:05:57: Nicht weil das alte gut ist, sondern weil der Nervensystem das Alte kennt.

00:06:07: Etwas Bekanntes lässt sich besser einschätzen als etwas Unbekanntes selbst dann wenn das Bekannte längst Kraft kostet!

00:06:21: Ich finde dieser Gedanke es unglaublich entlastend denn plötzlich verändert sich die Frage weg von.

00:06:31: was stimmt eigentlich nicht mit mir?

00:06:35: Hinzu, mein Nervensystem macht gerade genau das wofür es gebaut wurde.

00:06:45: Die Frage ist warum macht unser Nervenystem das?

00:06:51: Und ich glaube weil unser Gehirn eine Aufgabe hat die wir im Alltag manchmal vergessen!

00:06:58: Es möchte nicht in erster Linie dass wir glücklich sind.

00:07:02: Es möchte dass wir überleben und dafür braucht es vor allem eines Vorhersehbarkeit.

00:07:09: Unser Gehirn liebt Dinge, die es kennt – nicht weil sie automatisch gut sind sondern weil sie vertraut sind!

00:07:16: Sie kosten weniger Energie.

00:07:18: Sie lassen sich besser einschätzen.

00:07:20: das Gehirnen weiß hier.

00:07:23: damit kenne ich mich aus und genau deshalb fühlt sich bekanntes oft sicherer an als neues selbst dann wenn das Bekannte uns längst nicht mehr gut tut.

00:07:37: Und vielleicht kennst du diesen Gedanke.

00:07:41: Du weißt, dass dir etwas längst nicht mehr entspricht, längst nichts mehr gut tut und trotzdem bleibst du!

00:07:51: Nicht weil du das Alte liebst sondern weil dein Nervensystem das alte kennt – und das ist ein großer Unterschied.

00:08:00: Ich glaube wir verurteilen uns an dieser Stelle oft völlig unnötig.

00:08:05: Wir sagen zu uns Ich bin einfach zu bequem, ich bin nicht konsequent genug.

00:08:12: Andere schaffen das doch auch!

00:08:14: Aber was wäre wenn das gar nicht stimmt?

00:08:19: Was wäre, wenn dein Nervensystem gerade etwas Unglaublich Intelligentes macht?

00:08:25: Es versucht einzuschätzen ob Bewegung grade wirklich sicher ist und solange es darauf keine klare Antwort findet entscheidet sich lieber für das, was es bereits kennt Nicht weil das perfekt ist oder besser, sondern einzig und allein.

00:08:46: Weil es berechenbarer ist!

00:08:51: Ich glaube deshalb fühlen sich manche Entscheidungen so unglaublich schwer an.

00:08:57: Nicht weil wir sie nicht treffen könnten, sondern weil wir spüren dass hinter dieser Entscheidung etwas Neues liegt.

00:09:05: Und neues bedeutet für unser Gehirn immer auch mehr Aufmerksamkeit, mehr Energie mehr Unsicherheit.

00:09:14: Und vielleicht fragst du dich jetzt, aber warum verändern Menschen dann manchmal plötzlich ihr ganzes Leben?

00:09:22: Warum kündigt jemand nach einem Burnout?

00:09:24: Warum trennt sich jemand nach Jahren?

00:09:27: Warum beginnt jemand nach einer Diagnose auf einmal Dinge umzusetzen die er vorher jahrzehntelang nicht gemacht hat und die unmöglich schienen?

00:09:37: Warum wird das plötzlich alles

00:09:40: möglich?!

00:09:42: Ich glaube nicht, dass diese Menschen mutiger geworden sind.

00:09:46: Ich glaube das Nervensystem bewertet die Situation plötzlich neu.

00:09:52: Stillstand fühlt sich nicht mehr wie die sicherste Lösung an sondern Bewegung und genau das verändert alles!

00:10:08: Immer wenn ich das beobachte stelle ich mir dieselbe Frage muss es wirklich erst so weit kommen?

00:10:15: Muss das Leben erst so laut werden, dass wir keine andere Wahl mehr haben?

00:10:22: Oder können wir unserem Nervensystem schon vorher zeigen, dass Bewegung sicher sein darf.

00:10:29: Ich glaube genau dort beginnt Veränderungen nicht mit einer großen Entscheidung sondern mit einer neuen Erfahrung.

00:10:40: Am Anfang dieser Folge habe ich den Satz gesagt Und vielleicht stimmt dieser Satz tatsächlich?

00:10:52: Vielleicht willst du wirklich und gleichzeitig gibt es einen Teil deines Nachendsystems, der im Moment noch nicht überzeugt ist.

00:11:01: Das Bewegung sicher ist!

00:11:04: Und weißt Du was ich daran schön finde?

00:11:07: Das bedeutet, Du musst diesen Teil nicht bekämpfen.

00:11:11: Du musst ihn nicht überreden.

00:11:12: Du muss ihn nicht austricksen.

00:11:14: Du darfst ihn einfach mitnehmen.

00:11:17: Schritt für Schritt.

00:11:19: Denn genau so lernt unser Nervensystem nicht unter Druck, sondern durch Erfahrung.

00:11:25: Und genau deshalb möchte ich dir jetzt eine kleine Übung zeigen!

00:11:29: Keine Übung die dein Leben verändern wird?

00:11:32: Aber vielleicht eine Übung, die deinem Nervenystem einen kleinen Moment von Beweglichkeit schenkt... Wenn du unterwegs bist im Auto sitzt dann höre vielleicht in den nächsten Minuten einfach nur zu.

00:11:47: Wenn du aber die Möglichkeit hast, mitzumachen dann mach das gerne.

00:11:52: Dafür darfst du dich jetzt aufrecht hinstellen oder aufrecht hin setzen und dir einen Punkt vor dir suchen der nah an dir dran ist also ein Punkt der ungefähr einen Meter vor dir liegt und den du gut angucken und fokussieren kannst.

00:12:11: dafür kannst du auch deinen Daumen vor dir ausstrecken und zum Beispiel deinen Daumnagel anschauen.

00:12:20: Und dann suchst du dir einen zweiten Punkt, der möglichst weit entfernt liegt.

00:12:25: So dass du ihn aber noch gut sehen kannst!

00:12:28: Vielleicht ist das etwas draußen vor dem Fenster oder am Ende des Raumes in dem Du bist?

00:12:35: Und nun lass deinen Blick – dein Fokus zwischen diesen beiden Punkten hin und her wandern.

00:12:47: Das darfst du am Anfang langsam machen.

00:12:52: Fokussiere dich also einmal auf den Nahpunkt, bis der richtig scharfgestellt ist und dann wechselst du auf den Fernpunkt.

00:13:05: Bis dieser scharf gestellt ist!

00:13:08: Und erst wenn der Schaf zu sehen ist, wechselt du wieder auf den nahen Punkt.

00:13:17: Mach das ganz langsam am Anfang und ohne Eile.

00:13:24: Wenn du das zu schnell machst, kann es sein dass das dein Nervensystem schon zu viel ist.

00:13:34: Und vielleicht merkst Du nach ein paar Blicksprüngen von nah zu fern zu nah zu fahren Egal in welchem Tempo Du es machst Dass Dein Körper dabei ist.

00:13:47: Es ist ein ganz eigenes mögliches Tempo für heute zu finden und Du merkst vielleicht eine Form von Rhythmus entsteht.

00:13:57: Und das kann ein langsamer Rhythmus sein und du kannst spüren, dass du immer einen Moment brauchst um den Punkt wirklich auch scharf zu stellen.

00:14:05: es kann aber auch sein, dass Du schon ein bisschen schneller werden kannst.

00:14:12: Versuch mal rauszufinden was heute dein Wohlfühltempo ist!

00:14:18: Und dann beobachte mal deinen Körper nicht weil jetzt irgendwas im Körper passieren soll sondern beobachte mal, was einfach automatisch während dieser Übung passiert.

00:14:36: Verändert sich deine Atmung?

00:14:41: Fühlt sich dein Blick anders vielleicht weiter an?

00:14:50: Wie reagiert dein Kiefer?

00:14:56: Vielleicht merkst du auch gar keinen Unterschied in deinem Körper!

00:15:03: Alles ist in Ordnung denn darum geht es überhaupt nicht.

00:15:09: Es geht nicht darum etwas zu erreichen oder bestimmtes zu fühlen.

00:15:15: Es geht darum, deinem Nervensystem eine neue Erfahrung zu ermöglichen – einer Erfahrung von Bewegung!

00:15:24: Von Wechseln, von Flexibilität ohne Druck, ohne große Entscheidung.

00:15:31: Denn die Blicksprünge von nah zu fern und von fern zu nah, die wirken auf einen Gehirnbereich der für innere Flexibilität zuständig ist.

00:15:46: Und das es ja ein Teil des Puzzles, was wir brauchen!

00:15:55: Deswegen kann das eine ganz sanfte Möglichkeit sein, dein Nervensystem einzuladen, eine neue Erfahrung zu machen.

00:16:04: und ich finde das so spannend weil mir glaube ich oft gerade wenn der Leidensdruck hoch ist immer so groß denken wenn wir an Veränderung denken.

00:16:15: Wir glauben, wir müssen ganz große Veränderungen machen – vielleicht den Job kündigen oder uns trennen und das ganze Leben auf den Kopf stellen.

00:16:25: Dabei beginnt Veränderungs-, gut verdauliche Verändererung fürs Nervensystem meistens viel früher.

00:16:33: Sie beginnt in kleinen Momenten In Momenten, in denen dein Nerven-System erlebt Ich kann mich bewegen und trotzdem bin ich sicher.

00:16:45: Und vielleicht ist genau das der Unterschied Veränderungen beginnt nicht erst dann, wenn sich dein Leben verändert.

00:16:52: Veränderung beginnt in dem Moment, in dem deinen Nervensystem zum ersten Mal erlebt.

00:16:59: Bewegung muss keine Gefahr sein.

00:17:03: Vielleicht ist genau da die wichtigste Erkenntnis dieser Folge Nicht dass du dich endlich mehr anstrengen und überwinden musst nicht, dass du mutiger werden musst und auch nicht, das du heute eine ganz große Entscheidung treffen musst die alles auf den Kopf stellt.

00:17:20: Vielleicht reicht es für heute völlig aus, daß dein Nervensystem zum ersten Mal erlebt hat, dass Bewegung überhaupt wieder möglich sein kann.

00:17:30: Nicht die Große!

00:17:32: Nicht die Kündigung, nicht die Trennung, nicht der perfekte Entscheidungen sondern dieser erste kleine innere Schritt.

00:17:40: Denn genau so entsteht Veränderung.

00:17:43: Nicht durch einen großen Sprung, denn der überfordert oft sondern durch viele kleine Erfahrungen die deinem Nervensystem zeigen.

00:17:54: Ich bin sicher auch wenn ich mich bewege!

00:17:57: Veränderungen beginnt also vielleicht viel früher als wir denken nicht erst dann wenn wir unser Leben komplett umkrempeln Sondern in dem Moment in dem sich der erste kleine Schritt nicht mehr bedrohlich anfühlt.

00:18:12: In dem Moment, in dem dein Nafensystem zum ersten Mal erlebt.

00:18:16: ich kann mich bewegen und trotzdem bin ich sicher!

00:18:22: Genau deshalb möchte ich dir heute auch keine Aufgabe mitgeben keinen Plan, keine To-do Liste sondern eine Einladung Beobachte in den nächsten Tagen einmal wo sich stillstand in deinem Leben gerade sicherer anfühlt als Bewegung.

00:18:46: Nicht um dich dafür zu verurteilen, nicht um dich damit unter Druck zu setzen sondern mit der inneren Haltung von jetzt verstehe ich ein bisschen besser warum sich das so anfühlen.

00:19:06: vielleicht musst du dich gar nicht überwinden?

00:19:09: Vielleicht darfst du lernen dein Nafensystem mitzunehmen.

00:19:15: Deine Veränderung beginnt nicht in dem Moment, indem du gegen dich kämpfst.

00:19:20: Sondern in dem moment, in dem dein Nervensystem erlebt Ich darf mich bewegen und ich bin trotzdem sicher!

00:19:29: Und genau dort möchte ich in der nächsten Folge mit dir weitermachen.

00:19:33: Denn wenn Wissen allein oft nicht ausreicht und Veränderungen erst durch Erfahrung entsteht dann stellt sich eine ganz natürliche Frage Wie fühlt sich so eine Erfahrung eigentlich an?

00:19:51: Und genau darum wird es in der nächsten Folge gehen.

00:19:54: Ich freue mich, wenn du wieder dabei bist!

00:19:56: Bis dahin wünsche ich dir eine wunderschöne Woche.

00:20:00: Pass gut auf dich auf und vergiss nie... Du musst dein Nervensystem nicht überwinden.

00:20:08: Du darfst lernen, es mitzunehmen.

00:20:12: Bis zum nächsten Mal hier bei NeuroLiebe.

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