#61 Warum warten wir eigentlich, bis wir urlaubsreif sind?

Shownotes

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Kennst du dieses Gefühl? Der Urlaub beginnt und der erste Gedanke ist: „Ich bin so urlaubsreif.“ Aber warum lassen wir es eigentlich so weit kommen? In dieser Folge sprechen wir darüber, weshalb wir Erholung oft bis zum Urlaub aufschieben, warum unser Nervensystem erstaunlich lange durchhält und weshalb Urlaubsreife viel mehr ist als ein leerer Akku. Außerdem geht es um einen Gedanken, der im Alltag oft verloren geht: die Wertschätzung für das, was wir geleistet haben. Eine Folge über Pausen, Leistung und die Frage, ob Erholung wirklich immer bis zum Urlaub warten muss.

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Transkript anzeigen

00:00:00: Warum warten wir eigentlich, bis wir urlaubsreif sind?

00:00:04: Kennst du diesen Moment?

00:00:06: Du schickst die letzte E-Mail, klappst den Laptop zu.

00:00:09: Die Abwesenheitsnotiz ist eingestellt und vielleicht schließt du zum letzten Mal die Bürotür ab oder steigst ins Auto und weißt jetzt das Urlaub!

00:00:20: Und dann kommt auf dieser erste tiefe Atemzug fast so als hätte dein Körper die ganze Zeit darauf gewartet.

00:00:28: Und vielleicht denkst du genau in diesem Moment, ich bin so urlaubsreif.

00:00:34: Ich frage mich schon lange warum wir dieses Wort eigentlich so selbstverständlich nutzen?

00:00:39: Warum warten wir eigentlich bis wir urlaupsreif sind?

00:00:43: Darüber möchte ich heute mit dir sprechen!

00:00:46: Herzlich willkommen zu NeuroLiebe.

00:00:52: Es ist Zeit für

00:00:53: mehr, mehr Leben, mehr Du, mehr Freiheit.

00:00:56: Neuro-Liebe ist dein Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben im Einklang mit deinem Nervensystem.

00:01:02: Verstehen, fühlen,

00:01:04: handeln!

00:01:05: Eigentlich ist das Wort Urlaubsreif doch eine spannende Kombination denn wenn wir über eine reife Frucht sprechen dann ist es ja durchweg etwas positives Leckeres worauf wir warten weil es dann erst richtig gut ist.

00:01:23: Ich habe aber das Gefühl, bei Urlaubsreif haben wir eigentlich eher negative Verknüpfung.

00:01:30: Es meint für uns eher ich bin erschöpft, ich kann nicht mehr, ich brauche dringend eine Pause.

00:01:37: und das Verrückte ist doch fast jeder versteht sofort was gemeint ist als wäre das völlig normal!

00:01:48: Eine Sache ist mir aus dieser Zeit bis heute geblieben und fest in meinen Alltag integriert.

00:01:59: Das ist das Tee trinken, denn ja genauer gesagt nicht nur der Tee an sich – und auf jeden Fall muss es ein sehr starker schwarzer Tee mit Milch sein, sondern dass wie und vor allen Dingen das wann!

00:02:18: Denn die Art Wie In Irland Tee Getrunken wird, ist tief kulturell integriert in den Alltag der Menschen und wie du vielleicht weißt gibt es in Irland durchaus durchwachsene Wetterphasen.

00:02:35: Das Interessante ist das als ich nach Irland gezogen bin mit meiner... deutschen Idee von Pünktlichkeit, Effizienz mit dem irischen Wetter des Öfteren kollidiert bin weil mir das Wetter einen Strich durch die Gerechnung gemacht hat.

00:02:54: Ich war daraufhin eher frustriert angespannt weil ich meinen Plan nicht weiter verfolgen konnte und durfte dann erleben und mich auch verändern in der irischen Grundhaltung.

00:03:08: Dann trinken wir doch jetzt einfach erstmal eine Tasse Tee.

00:03:13: Und das Schöne ist, weil das jeder tut es dann eben auch völlig in Ordnung irgendwo zehn Minuten später zu kommen als vereinbart, weil man noch ne Tasse tee getrunken hat.

00:03:26: und dieses ewige Tee trinken über den Tag hinweg führt dazu eigentlich immer wieder kleine Pausen zu haben, kleine Momente des innerhalb des Durchschnaufens, das vielleicht auch reflektieren.

00:03:46: Vielleicht den Plan irgendwie ja neu machen für den Tag, vielleicht auch wetterbedingt.

00:03:53: ihn verändern müssen bedeutet auch nochmal vielleicht bei der Tasse T festzustellen dass ich meinen Tag viel zu voll gemacht habe, dass das eigentlich alles sich gar nicht so richtig... Ja, dass es nicht aufgehen kann und vielleicht eben auch in der Form Druck rauszunehmen.

00:04:14: Und nun ist ja, wie ich finde so eine schöne Tasse Tee, so ein heißer Tee – ja auch etwas was körperlich spürbar ist!

00:04:23: Ich glaube es wäre anders wenn man ein sehr kaltes Getränk mindestens im irischen Wetter trinken würde sondern so ein warmer Tee macht ja auch so ein wohliges Gefühl.

00:04:36: Und das mehrfach am Tag ganz bewusst zu tun, da habe ich gemerkt es tut mir richtig gut und es bringt mein Nafensystem wirklich immer wieder an einen Ort zurück wo ich kurz inne halte mich neu ausrichten nochmal überdenke und dann mit diesem warmen Tee im Bauch wieder loslege.

00:04:59: Und obwohl ich jetzt schon sehr lange wieder in Deutschland lebe, ist mir das Tee trinken geblieben.

00:05:05: Ich muss manchmal dann darauf achten dass natürlich hier in Hamburg die anderen nicht diese Kultur des Tee Trinkens haben und Pünktlichkeit eine deutsche Tugend ist!

00:05:17: Das ist auch völlig in Ordnung denn am Ende liebe ich auch Pünklichkeit.

00:05:22: Aber es ist wirklich dieses Tempo rausnehmen, was dadurch entsteht.

00:05:27: Und vielleicht wunderst du dich?

00:05:29: Warum ich genau mit dieser kleinen Geschichte diese Podcast-Episode starte?

00:05:35: Aber genau darüber musste ich in den letzten Wochen nachdenken!

00:05:40: Denn ich habe das Gefühl dass wir in Deutschland oft ganz anders leben.

00:05:46: Wir arbeiten... dann arbeiten wir noch ein bisschen Dann arbeiten wir noch ein bisschen mehr vor dem Urlaub.

00:05:55: Und dann irgendwann sagen wir, jetzt halte ich noch bis zum Urlaub durch, kennst du das?

00:06:03: Und Menschen sagen auch, ich bin auf der Zielgraden zum Urlaub und da muss ich nochmal richtig Gas geben!

00:06:12: Und gerade so was wie Ich halt jetzt noch durch bis dann Urlaub ist Ist eigentlich etwas, was aus Nervensystemsicht nicht passieren sollte.

00:06:27: Weil kannst du fühlen, wie du obwohl eigentlich der Tank schon leer ist den Reserve-Tank anzapft, der eigentlich nicht für die Bewältigung des Alltags zur Verfügung stehen sollte sondern für die großen Dinger, die in unserem Leben passieren weil es bedeutet dass du deinen Tank so leer machst und Im Zweifel auch den Reservetank, dass du wirklich ja mit komplett leeren Tanks in den Urlaub startest.

00:07:05: Und das Thema Erholung oft ganz an das Ende deiner Liste rutscht und ich glaube in Deutschland ist in uns immer noch tief verankert dieses erst die Arbeit dann das Vergnügen aber wenn Du das einem Ihren versuchst zu erklären rollt er mit den Augen.

00:07:27: Es ist bei uns wirklich auch eine kulturelle Sache.

00:07:32: Nur die Haten kommen in den Garten, erst die Arbeit dann das Vergnügen!

00:07:38: Es gibt viele dieser Volksweisheiten in Deutschland, die echte Antreiber sind und die wenn wir nicht aufpassen uns dazu verleiten.

00:07:51: wirklich über alle Wahnsignale hinweg Einfach nur durchzuhalten und durch zu halten hat aus neurozentrierter Sicht wirklich gar nichts Positives.

00:08:07: Unser Nervensystem ist erstaunlich, denn es hält unglaublich viel aus!

00:08:11: Es kann wunderbar kompensieren, es kann auch Stress ausgleichen, es können auch Schlafmangel eine Zeit ausgreichen ja und uns somit durch intensive Phasen tragen.

00:08:25: Und genau deshalb merken wir häufig gar nicht, wie anstrengend diese Zeit eigentlich war.

00:08:31: Bis plötzlich Urlaub ist!

00:08:33: Denn dann fällt dieses Spannung des Funktionierens ab und wir merken oft erst am ersten Urlaubstag oder kurz davor wenn die Spannungen beginnt sich abzubauen, wie müde und erschöpft wir eigentlich sind.

00:08:50: Und dazu gibt es noch einen Gedanken, der mich beschäftigt.

00:08:54: Denn wir sprechen über Urlaubsreife fast immer wie über eine Art von Mangel!

00:09:01: Fast so als hätten wir etwas falsch gemacht.

00:09:03: Als hätten wir unsere Akkus schlecht gepflegt.

00:09:06: dabei steckt in diesem Gefühl doch auch oft etwas ganz anderes denn da liegt eine intensive Zeit hinter dir vielleicht Monate ja vielleicht Wochen mit viel Verantwortung, mit vielen Terminen.

00:09:24: Und vielleicht findest du diesen Gedanken kontrovers oder provokant.

00:09:34: aber warum feiern wir Urlaubsreife eigentlich nicht?

00:09:41: Sondern fühlen uns eigentlich wie überwältigt von ihr!

00:09:48: Ich mach mal ein Beispiel Wenn du eine Wanderung machst und einen Berg besteigst, dann sagen wir ja hinterher oft auch Boah das war richtig anstrengend.

00:10:07: Toll dass ich es geschafft habe!

00:10:09: Und gleichzeitig sind wir mega zufrieden.

00:10:12: Ja vielleicht sind wir sogar stolz.

00:10:15: Das gleiche Gefühl kennen wir vielleicht auch wenn wir einen Vortrag halten oder ein Workshop Egal was es ist in deinem Leben, ob es beruflich ist oder ob es privat ist.

00:10:27: Wenn es so einzelne Dinge sind können wir uns oft für die Erschöpfung danach feiern und auch so fühlen und sehen und Verständnis dafür haben zu sagen ja ist ja klar dass ich jetzt müde bin nachdem ich auf diesen Berg gestiegen bin oder nach dem ich ein intensives Arbeitswochenende hatte die Kinder für eine Woche krank waren, natürlich fühle ich das und ich habe alles recht der Welt mich gerade erschöpft zu fühlen.

00:10:59: Und je nachdem können wir wirklich auch diese Erschöpfung wert schätzen weil sie auch zeigt wie viel wir gegeben haben.

00:11:10: aber hast du so ein Gefühl auch schon mal bei diesem Gefühl von Ich bin urlaubsreif gehabt?

00:11:21: ist eher ein Gefühl von Mangel.

00:11:23: Wenn wir uns urlaubsreif fühlen, dann schauen wir oft auf das was uns fehlt anstatt auf das, was wir geleistet haben und ich glaube unser Nervensystem spürt diesen Unterschied ob wir Erschöpfung als Versagen erleben oder eine nachvollziehbare Reaktion auf eine intensive Zeit Und vielleicht kennst du ihn?

00:11:47: Diesen bekannten Satz Erschaffe dir ein Leben, von dem du keinen Urlaub brauchst.

00:11:54: Und ich muss dir ganz ehrlich sagen mit diesem Satz stehe ich etwas auf Kriegsfuß!

00:12:01: Denn der Gedanke dahinter ist ja nicht schlecht aber er wird nicht allen Menschen gerecht denn nicht jeder hat die Möglichkeit sein Leben beruflich und privat so auszurichten dass das möglich wird.

00:12:21: Komplett möglich wird!

00:12:23: Und vielleicht ist das auch gar nicht das Ziel, aber wenn du diesen Satz mal für dich nimmst und dich fragst wo in deinem Leben kannst du vielleicht dich anders verhalten um ein bisschen weniger Urlaub zu brauchen von deinem Alltag?

00:12:45: Dann glaube ich ist das schon ein total guter, großer erster Schritt.

00:12:51: Letztendlich ist es nichts anderes als in Irland einfach erstmal nochmal eine Tasse Tee zu trinken bevor's weitergeht.

00:13:00: Kurz innezuhalten, kurz aufzutanken und nicht durch den Tag durchzuhalten, durch zu powern damit man früh Feierabend machen kann, denn auch das ist in Irland ganz anders.

00:13:17: Die Arbeitstage in meiner Erfahrung sind in Irlands durchaus länger!

00:13:23: Ich habe dort oft zwölf, vierzehn manchmal sechzehn Stunden gearbeitet aber ich hab ganz anders Pausen gemacht und durch das ewige Tee trinken habe ich gefühlt alle zwei Stunden Pause gemacht Und somit habe ich mich abends auch gar nicht so erschöpft gefühlt und... Ich hab' mich auch weniger getrieben gefühlt, weil ich gar nicht das Gefühl hatte dass es so einen Zeitpunkt des Feierabend gibt.

00:13:54: Sondern ich über den Tag verteilt so viele kleine Momente, privater Momente Pausenmomente hatte, sich nach Feierabend gesehen hat.

00:14:14: Und vielleicht ist ja genau das die Kunst, dass wir unserem Nafensystem im Alltag immer wieder kleine Momente schenken in denen es einmal ausatmen darf.

00:14:28: In denen dann vielleicht auch schon ein Ausgleich von Sympathikus dem aktivierenden System und dem Parasympathicus dem ausruhenden integrierenden System passieren kann, dass wir nicht darauf warten, dass das immer zum Feierabend erst stattfinden darf.

00:14:50: Sondern tatsächlich schon tagsüber!

00:14:55: Und vielleicht ist wirklich genau das dann der Unterschied, dass auch Urlaub irgendwann nicht mehr diese Rettungsinsel ist auf die ich zu steuer mit meinen letzten Kräften sondern das Urlaub wirklich etwas sein kann.

00:15:13: Eine wunderschöne Zeit, die auf etwas aufbaut, was im Alltag schon begonnen hat!

00:15:22: Und falls du diese Folge jetzt gerade hörst und tatsächlich urlaubsreif bist dann wünsche ich dir von Herzen einen Urlaub der dir gut tut.

00:15:35: vor allem aber wünsch ich dir noch etwas anderes dass du heute vielleicht einen Moment findest Indem du nicht nur denkst, ich bin völlig fertig sondern auch Ich habe unglaublich viel geleistet in den letzten Wochen und darauf bin ich stolz.

00:15:58: Denn ich glaube unser Nervensystem braucht genau diese Form der Wertschätzung für Leistung damit wir mit der Leistung nicht in eine Form von Ohnmacht rutschen.

00:16:13: Vielleicht nimmst du aus dieser Folge gar keinen großen neuen Vorsatz mit.

00:16:19: Vielleicht nennst Du einfach nur eine kleine Frage mit in diesem Sommer, muss mein Nervensystem wirklich immer erst urlaubsreif werden?

00:16:30: Oder darf es zwischendurch schon immer mal wieder eine Tasse Tee trinken!

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